Der Vorsteher diente mit diesem Wort: «Als nun Jakob von seinem Schlaf aufwachte, sprach er: Fürwahr, der Herr ist an dieser Stätte, und ich wusste es nicht! Und er fürchtete sich und sprach: Wie heilig ist diese Stätte! Hier ist nichts anderes als Gottes Haus, und hier ist die Pforte des Himmels» (1Mo 28,16.17).
Der Chor sang als Eingangslied «Ziehe deine Schuhe aus, denn der Ort, wo du stehst, ist heilig» (CM130). Der Vorsteher begann den Gottesdienst mit den Worten: «Es ist ja eine seltenes Fest, 60 Jahre verheiratet, diamantene Hochzeit. Wir alle dürfen ein weiteres Mal an dem Segen partizipieren und freuen uns darauf.»
Das Lied des Chores behandelte das Thema des heutigen Gottesdienstes: «Denn der Ort, wo du stehst, ist heilig». Die Schuhe auszuziehen bedeutet
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sich zu besinnen, wo du bist, wer dir begegnet, wer mit dir redet
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Abstand zu gewinnen vom Irdischen, von all dem, was uns auch noch beschäftigt
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Ruhe einkehren zu lassen.
Der Vorsteher erzählte aus der Geschichte, die zum Textwort gehört. Jakob musste flüchten, weil er Angst hatte vor der Rache seines Bruders. Er hatte ihn und seinen Vater betrogen und hatte deshalb ein schlechtes Gewissen. Jakob ist lange gewandert. Es sollen etwa 100 km sein bis zu dem Ort, an dem er sich zum Schlafen niederlegte. Dann hatte er diese Begegnung mit Gott. Er sah die Himmelsleiter, in einer anderen Übersetzung wird sie als Stiege beschrieben. Gott bekannte sich zu Jakob, trotz dessen Missetaten, und sagte zu ihm: «Siehe ich bin mit dir und will dich behüten, wo du hinziehst, und will dich wieder herbringen in dies Land. Denn ich will dich nicht verlassen» (1Mo 28,15).
Der mitdienende Priester wies auf den Wert des Gottesdienstes hin. Wir erkennen vielleicht den heiligen Ort nicht als solchen. Auch Jakob erkannte die Heiligkeit des Ortes zuerst nicht. Wir sollen wissen, dass die Leiter immer da ist, Gott ist gegenwärtig mit seiner Liebe, seinem Frieden.
Die Geschichte Jakobs ist interessant. Die alten Väter haben sich nicht immer «richtig» verhalten. Warum bekennt sich Gott zu uns, obwohl wir nicht alle Regeln befolgen? Jesus Christus ist gekommen und hat alles bezahlt, was uns misslingt. Jakob musste bei seinem Onkel lange arbeiten und dienen und wurde zu einem reichen Mann. Als er zurückkehrte, um sich mit Esau zu versöhnen, erlebte er nochmals Gott. Er kämpfte mit einem Mann. Er kämpfte die ganze Nacht hindurch mit Gott. Er kämpfte um den Segen. Auch wir wollen nicht passiv sein. Wir wollen um den Segen Gottes kämpfen.
Zur diamantenen Hochzeit spielte das Orchester das Lied «Der Heiland sorgt für dich». Das Cello spielte die Solostimme. Das Paar erlebte in den 60 Jahren ihrer Ehe einige Auf und Abs, insbesondere was ihre Gesundheit betraf. Aber der Liebe Gott hatte ihnen nie ein leichtes Leben versprochen.
Die beiden bekamen zum Ehebund ein ganz besonderes Wort: «Sieh zu, dass du einen guten Namen behältst; der bleibt dir länger als tausend grosse, goldene Schätze. Ein Leben, es sei so gut, wie es wolle, währt nur eine kurze Zeit; aber ein guter Name bleibt ewig» (Jesus Sirach 41,12-13). Der Vorsteher gab ihnen das Zeugnis, dass sie sich einen guten Namen erarbeitet hätten. Er gab ihnen zwei ergänzende Worte: «... ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein!» (aus Jesaja 43,1) und «Freut euch aber, dass eure Namen im Himmel angeschrieben sind» (aus Lukas 10,20).
Er hat euch gerufen und sagt euch: «Ich bin mit euch». Was auch immer kommt, er will euch bewahren, insbesondere eure unsterbliche Seele bewahren und dem Heil zuführen.
Den Schlusspunkt setzte der Chor mit dem Lied: «Herr, deine Güte reicht soweit, soweit der Himmel ist» (CM146).