Einswerden mit dem Herrn

27.07.2025

Klagen, Vertrauen, Hoffen – Gott ist unser Teil in allen Lebenslagen. Was das bedeutet, machte Apostel Matthias Pfützner am 27. Juli 2025 in einem Gottesdienst in Kirchbichl (Tirol) deutlich.

Grundlage der Predigt waren die Verse aus Klagelieder 3,24–26. Obwohl dieses biblische Buch auf den ersten Blick düster wirkt, enthält es eine tiefe geistliche Wahrheit: Gott lädt die Menschen ein, mit ihren Klagen zu ihm zu kommen. Klage ist kein Zeichen von Unglauben, sondern Ausdruck eines vertrauenden Herzens, das sich an Gott wendet.

Die damalige Situation – zerstörtes Jerusalem, Exil in Babylon, gefühlte Gottverlassenheit – spiegelt sich in heutigen Krisen wider: Krankheit, zerbrechende Beziehungen, berufliche Unsicherheit oder geistliche Trockenheit. Die Botschaft lautet: Auch in solchen Zeiten ist Gott da. „Der Herr ist mein Teil“ bedeutet: Gott gehört mir, er hat sich mir zugewandt.

Diese Wahrheit unterstrich der Apostel mit einem Gleichnis aus Matthäus 13: Der Mensch, der einen Schatz im Acker findet und alles verkauft, um ihn zu gewinnen, steht zugleich für Jesus selbst. Er gibt alles – sogar sein Leben –, um uns als seinen Schatz zu gewinnen. So sind wir sein, und er ist unser. Gott teilt sich uns mit, sichtbar und erfahrbar im Heiligen Abendmahl: Er ist unser Teil.
Daraus wächst Hoffnung. Doch Hoffnung ist keine Stimmung, sondern eine Entscheidung: „Darum will ich auf ihn hoffen“ heißt, bewusst Vertrauen zu wählen – auch wenn es schwerfällt. Denn Gott ist gütig zu denen, die auf ihn warten. Geduld bedeutet nicht passives Warten, sondern aktives Aushalten im Vertrauen, dass Gott zur rechten Zeit handelt.

Am Ende richtete Apostel Pfützner einen geistlichen Appell an die Gemeinde: Sprich nicht nur über Gott, sondern mit ihm. Sag nicht nur: „Der Herr ist mein Teil“, sondern bete: „Du, Herr, bist mein Teil.“ Diese persönliche Hinwendung gibt Halt, wenn alles wankt. Gott selbst sagt: „Du bist mein Schatz. Ich habe alles für dich gegeben. Vertraue mir – ich lasse dich nicht allein.“


Auch Hirte Ranalter und Diakon Ranalter griffen dieses Thema auf. Sie erinnerten daran, dass wir uns in schweren Momenten oft allein fühlen, im Rückblick jedoch erkennen: Gott war immer da. Geduld und Hoffnung sind oft schwer, aber kostbar – denn wer auf ihn wartet, erfährt seine Freundlichkeit und kann bekennen: „Der Herr ist mein Teil, darum will ich auf ihn hoffen.“


Zur Vorbereitung auf das Heilige Abendmahl machte der Apostel deutlich: „Der Herr ist mein Teil“ ist nicht nur ein zukünftiges Erbe im Himmel, sondern beschreibt eine gegenwärtige, tiefe Verbundenheit mit Gott. Er gehört zu mir – unzertrennbar. Diese Nähe wird besonders im Gottesdienst und im Abendmahl erfahrbar: Hier verbinden sich die Gläubigen neu mit Gott, hören ihm zu, sprechen mit ihm und werden gestärkt für den Alltag. Die Gemeinschaft mit ihm ist keine einmalige Erfahrung, sondern braucht regelmäßige Pflege – ein bewusstes Innehalten, ein Auftanken, ein „Einswerden“ mit dem Herrn, der sagt: „Ich bin dein Teil, du bist mein Teil.“