Ein Freund liebt allezeit, und ein Bruder wird für die Not geboren.

26.01.2025

Es gibt im Grunde nur zwei Arten von Menschen, die nicht Christen sind: Die einen, weil sie noch nie einem echten Christen begegnet sind und die anderen, weil sie irgendwann mal einem Christen begegnet sind.

Ein Freund liebt allezeit, und ein Bruder wird für die Not geboren.

(Sprüche 17, Vers 17)

Apostel Matthias Pfützner feierte mit diesem schönen Wort den Gottesdienst in der Gemeinde Wil SG. Dazu eingeladen waren die Jugend des Bezirkes, die Gemeinden Uzwil, Wattwil und Frauenfeld.

Unser Leben ist bestimmt vom Glück und Herausforderungen. Wir sind nicht dazu geschaffen, dass wir das alles allein durchleben. Das Glück ist dazu da, um es nicht allein zu feiern, sondern mit anderen. Wir sind dazu geschaffen in Beziehung zu leben, das hat Gott sich so ausgedacht.

Und wie ist das mit dem Elend und dem Leid? Wenn es mir nicht gut geht, gibt es doch nichts Tröstlicheres, als wenn dann einer kommt und zuhört, vielleicht seine Hand reicht und für mich da ist.

Ein Freund liebt allezeit. Die Betonung liegt in dem Wörtchen «allezeit». In unserem Leben erkennen wir auch hie und da, was ein wahrer Freund ist. Er ist immer da. So ging es auch Jesus Christus. Bei Jesus waren die Menschen da und da hat er gefragt: Warum kommt ihr? Wollt ihr wirklich hören, was Gott euch sagen will? Und als dann die Rede von Jesus etwas direkter wurde, nicht mehr das, was man gerne hören wollte, da löste sich die Menge auf und die Menschen liefen davon. Und am Ende standen nur noch die Jünger herum.

Vielleicht merken wir das auch, wenn es in unserem Leben etwas kritischer wird. Deine «Followers», die da sind, solange es dir gut geht. Aber wenn sie mit dir leiden und weinen sollen, dann gehen sie doch lieber. Wer bleibt dann übrig? Ein wahrer Freund liebt allezeit.

Es gibt in der Heiligen Schrift ein sehr schönes Bild von David und Jonathan (1. Samuel, Kapitel 18-20). Erzählt von einer tiefen Freundschaft. Hast du so einen Freund?

Ein Bruder wird für die Not geboren. Wenn in der Heiligen Schrift von einem Bruder die Rede ist, dann meint das die echte Brüderlichkeit. Der Stammapostel hat in St. Gallen darauf hingewiesen, wer unser Bruder und unsere Schwester sind. Es sind die, mit denen wir den Glauben teilen. Dort soll es beginnen. Wenn wir Bruder und Schwester sind, dann sollten wir einen Blick haben für die Not anderer. Nicht nur in der Kirche zusammensitzen, sondern schauen, wer hat denn eine Not.

Jesus ist das Vorbild für alle. Was lernen wir von ihm? Er möchte, dass wir durch Freunde, Brüder und Schwestern, seinen Plan für unser Leben entdecken und er möchte, dass wir auch anderen helfen.

Das heisst erstens. Pflege Freundschaften, investiere Zeit, investiere Kraft, investiere Liebe und Geduld in Freundschaften. Du wirst entdecken, dass sie dir zurückgeschenkt werden. Der Apostel möchte das besonders in die Herzen der Jugend schreiben. Nicht nur einen Freund zu nehmen, sondern selbst etwas zu investieren. Es ist nicht umsonst. Du machst anderen das Antlitz Gottes darin sichtbar und du wirst es selbst in diesen Freundschaften erkennen.

Zweitens. Sei ein Bruder, sei wahrhaft eine Schwester für andere. Verschliesse nicht die Augen vor der Not, die ein anderer trägt. Und das beginnt hier in unseren Gemeinden, mit denen wir den Glauben teilen, die wir als Brüder und Schwester ansprechen. Du bist berufen, die Not anderer zu lindern durch deine Nähe.

Und der dritte Punkt: Bete um echte Beziehungen. Es gibt so viele oberflächliche Beziehungen. Gott wird dieses Gebet hören, weil es sein Herzensanliegen ist, Gemeinschaft sichtbar zu machen. Dann werden wir erfahren, dass wir einen Bruder haben, eine Schwester, einen Freund, eine Freundin haben, in denen wir das Antlitz Gottes sehen und wahrhaft sagen können, Jesus, du bist mir nahe.

In diesem Gottesdienst setzte der Apostel einen Priester in den Ruhestand. In seinem letzten aktiven Dienen am Altar, begrüsste er die Gemeinde mit «Liebe Freunde. Ich nutze die Gelegenheit ein allerletztes Mal euch allen eine Liebeserklärung zu machen. Wenn man Amtsträger ist, dann muss man die Seelen lieben». Der Jugend gab er den Rat, bleibt treu und betet. Er erzählte ein Gotterlebnis aus der Jugendzeit, ein Beweis, der liebe Gott hört die Gebete und man kann nur staunen über die Wunder Gottes.

Auch Bischof Ruedi Fässler war an diesem Gottesdienst beim Apostel und begrüsste die Gemeinde mit Stolz: «Liebe Brüder und Schwestern. Wir dürfen einander so ansprechen. Ein Wort, ein Satz, man denkt zu Beginn, was will Gott uns damit sagen. Und jetzt stehen wir da und können nur stauen, welche Fülle an Impulsen und Gedanken Gott der Heilige Geist durch unseren Apostel offenbart hat. Mein Herz wurde sehr berührt».

Der Bischof wies darauf hin, dass unsere Beziehungen eine Qualität haben sollen. Wir sollen eine klare Vorstellung haben, in welcher Qualität eine Beziehung sein soll. Wir sind die Braut Christi. Sorgen wir dafür, dass die Braut, eine hohe Beziehungsqualität hat. Und Gott sagt, liebe den Nächsten wie dich selbst – das ist die hohe Qualität, es lohnt sich darin Zeit zu investieren.

In diesem Gottesdienst durfte der Apostel noch ein grosses Geschenk für die Jugend machen. Unsere Glaubensschwester Shirin Spring wurde als Diakonin ordiniert. Sie wird in der Gemeinde Uzwil für die Jugend als Seelsorgerin wirken.

Bericht und Fotos: Juerg Hauser (JHA)